SINUS~TON
8. Magdeburger Tage der elektroakustischen Musik
26. - 29. Oktober 2017 | Magdeburg


FOTOSTRECKE SinusTon Festival 2016 (© Edgar Hartung)
VIDEODOKUMENTATION 2016 von Torsten Porstmann



Von Stummfilm bis Stockhausen

Zum achten Mal veranstaltet der Magdeburger Musikverein e.V. zusammen mit dem Kulturbüro der Landeshauptstadt vom 26. bis zum 29. Oktober 2017 das Festival SinusTon – Magdeburger Tage der elektroakustischen Musik. Das Programm, das 6 Konzerte, einen Workshop und mehrere Klanginstallationen umfasst, folgt in diesem Jahr keinem bestimmten Motto. Erneut wird aber an verschiedenen - zum jeweiligen Charakter der Aufführung passenden - Veranstaltungsorten in Magdeburg eine breite stilistische Palette von zeitgenössischer Musik präsentiert, die elektroakustische und elektronische Klangerzeugung für sich oder in Verbindung mit traditionellen Instrumenten und anderen Medien - wie z.B. dem Film - beinhaltet.

Konzerte in stilistischer Vielfalt

Das Konzertprogramm wird am 26. Oktober um 20.00 Uhr im Studiokino am Moritzplatz mit der Aufführung des expressionistischen Stummfilms „Von morgens bis mitternachts“ von Karlheinz Martin aus dem Jahr 1920 eröffnet. Der Film entstand nach dem gleichnamigen Bühnenstück des in Magdeburg geborenen Dramatikers Georg Kaiser. Franz Danksagmüller erschafft in seiner live gespielten elektronischen Filmmusik mit Hilfe teilweise selbst gebauter elektronischer Instrumente eine klangliche Entsprechung zu den surrealen Bildern.

Zwei Aufführungen von Musik für Lautsprecher stehen am Freitag, dem 27. Oktober im Kloster Unser Lieben Frauen auf dem Programm:
Während des Festivalzeitraums zeigt das Kunstmuseum Magdeburg Installationen des kanadischen Künstlers Robin Minard. In diesem ergänzenden Konzert wird der Komponist im Gespräch und mit einer Auswahl seiner Werke näher vorgestellt. Anschließend führt die Direktorin des Kunstmuseums, Dr. Annegret Laabs, durch die Ausstellung. Um 21.00 Uhr erklingt dann im Kreuzgang des Klosters die einstündige Lautsprecherkomposition Persepolis des griechisch-französischen Komponisten Iannis Xenakis, das der Musique Concrète zuzurechnen ist, erklingen. Das legendäre Werk entstand 1971 für eine Aufführung beim Shiraz Arts Festival im Iran, wo es direkten Bezug auf die Architektur antiker persischer Tempel nahm. In Anbetracht der heutigen Bedrohung kulturellen Welterbes durch religiösen Fanatismus wird das Stück in der romanischen Architektur des Klosters eine besonders eindringliche Wirkung entfalten.

Unter dem Motto „Positionen - Zeitgenössische Annäherungen an Religion und Spiritualität“ spürt das Ensemble AUDITIVVOKAL DRESDEN unter der Leitung von Olaf Katzer am 28. Oktober um 19.00 Uhr in der Gertraudenkirche am Buckauer Engpass Verbindungen zwischen Musik und Religion in Kompositionen für Stimmen und Elektronik von Tristan Murail, Georg Katzer, Maximilian Marcoll u.a. nach. Fairlight CMI - der erste digitale Synthesizer mit Samplerfunktion aus den 1970er Jahren, der allein optisch einen imposanten Eindruck macht, steht anschließend im Mittelpunkt eines Konzerts mit dem amerikanischen E-Gitarristen Seth Josel und dem Keyboarder Sebastian Berweck, mit dem das Festival die Reihe mit Präsentationen „historischer“ Instrumente der elektronischen Musik fortsetzt. Neben dem großangelegten Werk "The lightest words had the weight of oracles" für Synthesizer und E-Gitarre der in Kiel geborene Komponistin Kirsten Reese erklingt ab 21.00 Uhr im „Thiem20 – Haus der jungen Kunst“ Musik von Scott McLaughlin, Richard Festinger und Simon Steen-Andersen.

Seinen Abschluss findet das Festival am Sonntag, dem 29. Oktober um 17.00 Uhr im Gesellschaftshaus mit einem Konzert, das an den Tod des Komponisten Karlheinz Stockhausen vor 10 Jahren erinnert. Die Musiker des Weimarer Ensembles für Intuitive Musik führen Teile aus seinem selten aufgeführten Zyklus „Für kommende Zeiten“ auf, den sie kurz vor dem Tod unter seiner Anleitung auf CD einspielten.

Rahmenprogramm mit Workshop und Klangkunst

Auch in diesem Jahr wird das Konzertprogramm des SinusTon-Festivals durch ein Workshopangebot und Klanginstallationen ergänzt.

In Kooperation mit dem Musikalischen Kompetenzzentrum Sachsen-Anhalt findet am 26. Oktober 2017 ab 10.00 Uhr im Gesellschaftshaus ein Workshop zur auditiven Wahrnehmung mit dem Klangkünstler Ludger Hennig statt. Die Weiterbildung iwendet sich an Musiklehrkräfte des Landes Sachsen-Anhalt. Die Teilnehmer können den Workshop mit Schülern einer 12. Klasse des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Magdeburg intensiv begleiten und sich innovative Anregungen für ihren eigenen Musikunterricht holen. Der Workshop wird um 18.00 Uhr in den Gruson-Gewächshäusern abgeschlossen mit der Vernissage der Klanginstallation „Stein #8“ von Ludger Hennig, die der Künstler selbst so beschreibt: „Kleine Piezo-Lautsprecher wohnen auf einem Findling, der sich in einem Wasserbecken im Gruson-Gewächshaus befindet. Sie emittieren leise, zischelnde Klänge ungekannter Wesen als hätten sie schon immer hier gelebt …“ Die Installation ist anschließend bis Sonntag, den 29. Oktober 2017, zu den Öffnungszeiten und Eintrittpreisen der Gruson-Gewächshäuser zu erleben.

Am Sonntag, dem 29. Oktober können die Besucher dann von 10:00 bis 17:00 Uhr im Gesellschaftshaus Klanginstallationen und kinetische Instrumente von jungen Künstlern aus Rochester (New York) erleben. Studierende des Eastman Audio Research Studio [EARS] an der Eastman School of Music konstruieren hierfür die Magdeburger Variante des Eastman Mobile Acousmonium [EMA], ein Ensemble von beweglichen Lautsprechern.